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Über Heimweh und das Alleinsein // About missing home and being alone

Aug 7, 2014

(Okay, eigentlich sollte hier mein naechster Reisepost stehen, aber Flickr und ich haben gerade… Differenzen. Darum heute ohne Bilder, dafuer umso persoenlicher.)
Ich schreibe diese Zeilen um 4:41 in der Nacht. Eigentlich sollte ich längst schlafen, aber mein Kopf gibt seit meiner Ankunft auf dem Campus keine Ruhe. Ich fühle mich allein. Mutterseelenallein. Und ich weiß, dass ich dabei unvernünftig bin, aber was ist schon Vernunft, wenn das Herz flattert und ich nicht atmen kann, weil ich erdrückt werde von Vermissen, Heimweh und Unzufriedenheit? Ich bin unzufrieden, ich fühle mich allein, mir geht es nicht unbedingt gut. Um ehrlich zu sein, geht es mir beschissen. Und dazu habe ich keinen Grund. Eigentlich. Ich bin in einem wundervollen Land und mache wundervolle Erfahrungen und auf all meinen Fotos scheint die Sonne. Aber ich bin allein. Allein mit all den Gedanken in meinem Kopf, weil ich nicht weiß, wem ich davon erzählen soll. Andere Menschen meditieren in solchen Situationen, gehen spazieren, lösen das Problem auf produktive Art und Weise. Ich drehe mich innerlich im Kreis, verfalle in Lethargie und lasse meine Gedanken wie einen riesigen Felsbrocken auf meiner Brust sitzen. Ich weiß, wie dumm und unproduktiv und schädlich das ist, aber ich sage mir selbst so lange, dass ich wohl nichts dagegen tun kann, bis ich explodiere und alle Menschen, die in solchen Momenten mit mir in Berührung kommen, mit in meinen selbstgeschaufelten Abgrund reiße. Ja, die Sonne scheint auf meinen Fotos, aber es wäre unehrlich, die Schatten in mir zu verschweigen. Vielleicht liest das jemand und kann besser mit seiner (ähnlichen) Situation umgehen, das wäre wundervoll. Alleinsein ist hart und bei einem Auslandsaufenthalt wird vermutlich irgendwann der Punkt kommen, an dem du dich allein fühlst. Das ist ein beschissenes Gefühl und wenn du ein wenig tickst wie ich, wird es dich lähmen. Das ist ein noch beschisseneres Gefühl, weil es so viel zu entdecken, erleben, berichten gibt. Doch alles verblasst, weil da plötzlich ein riesiges Nashorn im Raum steht, auf dessen dicke Haut irgendjemand “Zuhause” gepinselt hat. Und ich sehne mich nach meinem Zuhause, nach meinen Freunden, meinen Eltern, meinem Liebsten, all den Menschen, die mich in- und auswendig kennen, mich einmal in den Arm nehmen und alles wieder gut machen. Aber ich bin hier allein. Auf dem Campus ist niemand, zu dem ich einfach gehen und eine Umarmung fordern kann, weil die Uni noch nicht wieder begonnen hat. Einsamkeit ist beschissen, aber sie ist auch ein guter Lehrmeister. Einsamkeit zwingt uns, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Was mich meine Einsamkeit lehrt? Ich habe Kafka-Syndrom. Ich habe diese ständige Angst, nicht gut genug zu sein, Menschen zu enttäuschen, mit der Welt nicht fertig zu werden. Der kleine, aber feine Unterschied zwischen mir und dem lieben Franz? Nein, ich rede nicht von unseren Genitalien. Ich rede davon, dass Franz Kafka Unmengen an dunklen, zutiefst einsamen Texten schrieb, während ich nur wie gelähmt dasitze und warte, dass es vorbeigeht. Aber hallo, Überraschung, Realitätsschock: Es geht nicht vorbei. Es ist nicht die Aufgabe anderer, mich aus meinem Loch zu holen. Das ist meine Aufgabe, meine ganz allein. Und statt zu meditieren oder spazieren zu gehen schreibe ich diese Zeilen. Atme ganz tief durch. Es ist mittlerweile 5 Uhr morgens und ich glaube, es geht mir besser. Heimweh und Einsamkeit sind beschissene Gefühle, aber ich weiß jetzt, was ich tun werde, wenn sie mich das nächste Mal übermannen. Und wenn du das liest, während du dich allein fühlst, während du Menschen oder Orte oder einfach das Gefühl von Geborgenheit vermisst: Lass uns uns gemeinsam therapieren.

Schritt 1:
Mach dir bewusst, dass es okay ist, traurig zu sein. Menschen sind keine rationalitätsgesteuerten Roboter und das ist auch gut so. Es gibt Tage, die fühlen sich furchtbar an, egal ob die Sonne lacht oder der Himmel weint. Du hast das Recht auf dein Heimweh, dein Allein-Sein, deine Traurigkeit.

Schritt 2:
Mach dir klar, warum du traurig bist. Du glaubst vielleicht, du hast einfach einen schlechten Tag, aber glaub mir, es gibt immer Gründe. Wenn man so weit von zuhause weg ist, kann es schonmal vorkommen, dass man sich zwischen 2 Orten hin- und hergerissen fühlt. Goethes Faust sagt es so wunderbar allgemeingültig: “Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!” Ich will am liebsten jede Sekunde mit meinen indonesischen Freunden verbringen und Neues erleben und gleichzeitig will ich meine Mutter umarmen, die all meinen Unikram regelt, will meinen Freund leibhaftig vor mir haben und ihn küssen, weil er mich trotz Unistress unterstützt wo er kann und dieser endlose Zweikampf mündet in einem Gefühl von unglaublicher Machtlosigkeit und Einsamkeit. Ich habe keinen schlechten Tag, sondern einsamkeitsinduziertes Heimweh.

Schritt 3:
Mach dir bewusst, dass du gar nicht so allein bist, wie du glaubst. Da draußen gibt es vermutlich x Menschen, die dich genauso vermissen wie du sie und mindestens genauso viele, die gerade jetzt unglaublich gerne etwas mit dir unternehmen und dich ablenken würden. Letztere wahrscheinlich nur eine Nachricht oder einen Anruf entfernt. Du bist nicht allein, du fühlst dich nur so. Aber das Gefühl kann man bekämpfen.

Schritt 4:
Mach dich glücklich. Ja, das sind olle Kamellen, aber ganz ehrlich: Wem bringt es auch nur das Geringste, wenn du allein und unzufrieden herumsitzt und im Heimweh versinkst? Dingdingding, hundert Punkte, nie-man-dem. Du musst keine Project X-Party mit allen neuen Freunden veranstalten, aber du kannst produktive Dinge tun. Sogar ganz allein. Es gibt garantiert Sachen, die du erledigen könntest. Wenn nicht: Schau dir ein Foto deiner Liebsten an. Denk an einen schönen Moment. Ey, und WEHE, du brichst jetzt vor lauter Heimweh in Tränen aus. Schon zu spät? Dann zwing dich, trotzdem zu lächeln. Es hilft so sehr, einfach über die eigenen Irrationalitäten zu lachen. Getestet von mir. Steh’ auf und atme, atme ganz bewusst ein und der Felsbrocken wird wackeln. Schreib’ dir eine To do-Liste. Meditiere. Geh spazieren. Schreib’ wenn es unbedingt sein muss einen Blogpost. Aber lass nicht zu, auf gar keinen Fall, dass das Heimweh dich lähmt. Nutze dein Allein-Sein.

Schritt 5:
Mach andere glücklich. Sei nett zu denen, die dir beistehen, wenn du im Kummer versinkst. Verabrede dich und hab’ Spaß. Bring’ dich selbst unter Menschen und diese zum Lachen. Warum nochmal warst du traurig? Ach, dieses kleine Wörtchen Heimweh… Vergiss es. Es ist nicht einfach, aber es ist allemal besser, als darin zu ertrinken.

Es ist jetzt halb 6 morgens und ich werde schlafen gehen. Kafka wusste vermutlich, was er tat, als er sich seine dunklen Gedanken von der Seele schrieb. Ab heute bin ich Kafka-Kaddi und wenn ihr mich noch einmal apathisch im Selbstmitleid versinken statt schreiben seht, dann dürft ihr mich mit Kunstblut und Konfetti teeren und federn. Aber das ist eine andere Geschichte. Unglaublich viel Fuchsliebe an alle Heimwehgeplagten und Heimwehheiler da draußen. Bis zum nächsten Post - dann auch wieder mit strahlendem Sonnenschein!

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(Okay, actually, this should be my next travelling-post, but Flickr and I are having… differences right now. That’s why today’s post is going to be without pictures but even more personal.)
I am writing these lines at 4:41 in the night. Actually, I should be fast asleep by now, but my head won’t shut up since I’ve arrived on campus again. I’m feeling lonely. Extremely and utterly lonely. And I know just how irrational I am being with that, but what is rational thinking when the heart flutters and I can’t breathe because I am being suffocated by the feelings of missing people, my home and feeling unsatisfied? I am feeling dissatisfied, I’m feeling lonely I’m not feeling particularly well. To be honest, I’m feeling absolutely shitty. And there’s absolutely no real reason for that. Actually. I’m in a wonderful country making wonderful experiences and the sun is shining in every picture I take. But I am alone. Alone with all the thoughts in my head, because I don’t know who to talk to about them. Other people go and meditate in such situations, go for a walk, solve the problem in aproductive way. As for me, I just spin around internally, fall into lethargy and let my thoughts sit on my chest like a ginomous rock. I know, how stupid and unproductive and harmful that is, but I tell myself that I can’t do anything about it until I explode and take everybody around me in such moments with me down into my self-digged grave.
Yes, the sun is shining in my photos, but I think it would not be honest to not talk about the sadows inside me.
Maybe someone is going to read this and be able to deal with their own (similar) situation better, that would be wonderful.
Being alone is hard and when you’re abroad, it’s also kind of inevitable that the point is going to come where you’ll feel alone. That’s a shitty feeling and if you’re anything like me, it’s going to paralyze you. That’s an even shittier feeling, because there’s so much to discover, to experience, to talk about. But all of that fades, because suddenly there’s this huge rhinozeros taking up the room, onto whose thick skin someone has painted “home”. And yes, I miss home, I miss my friends, my parents, my boyfriend, all the people that know me by heart and can make it all okay by just taking me into their arms and giving me a big hug. But I’m alone here. At the moment, there’s nobody on campus I could just go to and ask for a hug, because university hasn’t restarted yet. Loneliness sucks, but it’s also a great teacher. Loneliness forces us to spend time with ourselves and think about a lot of things. Ehat my loneliness has taught me? I’ve got Kafka sydrome. I’ve got this permanent fear of not being good enough, disappointing people, not being able to cope with the world. The small, but significant difference between me and lovely Franz Kafka? Nope, I’m not talking about our genitals here. I’m talking about all the dark, lonely texts Kafka wrote while I am just sitting there, waiting for the feeling to pass. But hello, surprise, reality check: It doesn’t pass. It is not somebody else’s duty to get me out of my hole. That’s my duty, mine alone. And instead of meditating or taking a walk, I am writing these lines. Take a deep breath. It is now 5 in the morning and I think I am feeling better.
Missing home and loneliness are shitty feelings, but I know now what I’m going to do when they come over me the next time. And if you’re reading this while missing people or places or simply the feeling of being at home: Let’s find a cure for this together.

Step 1:
Realize that it is okay to be sad. People are not rationality-controlled robots and that is a good thing. There are days that feel horrible, no matter if the sun is shining or rain is pouring. You are allowed to miss home, feel lonely, feel sad.

Step 2:
Realize why you’re sad. You may believe that you’ve just got a bad day, but believe me, there are always reasons. If you’re that far away from home, it is absolutely possible that you feel divided between two places. Goethe’s Faust says it so wonderfully: “Two souls are living, oh, inside my chest!”
I would love to spend every second with my indonesian friends und experience new things and at the same time I want to hug my mom who’s dealing with all my stuff for university by herself, I want to see my boyfriend in real life and kiss him because he’s there for me even when he’s horribly stressed out himself and this neverending fight between the “two souls” insides my chests just makes me feel incredibly powerless and lonely. I am not having a bad day, I am experiencing loneliness-induced homesickness.

Step 3:
Realize that you’re not as alone as you believe you are. There are probably x people out there missing you just as much and at least the same amount of people who’d like to hang out with you right now and get your mind off things. The latter are probably also only a message or a call away. You’re not alone, you are just feeling lonely. But that feeling is fightable.

Step 4:
Make yourself happy. Yes, that’s been said quite some times before, but let’s be real here: Who is going to profit from you just sitting around lonely and dissatisfied, drowning in homesickness? Dingdingding, 100 points, no-bo-dy. You don’t have to start a Project X-style party with all yourn ew friends, but you can do productive things. Even on your own. There surely are things you should get done. If that is not the case: Look at a picture of your loved ones. Think of a nice moment you shared with them. Ey, no, don’t break into tears from homesickness right now! Oh, too late? Well, then force yourself to smile either way. It helps so much to just laugh at your own irrationalities. Tested by me.
Get up and breathe, breathe consciously and the rock on your chest will start shaking. Write a to do-list. Meditate. Go for a walk. Or, if you really have to, write a goddamn blogpost. But don’t, in any case, let the homesickness paralyze you. Use your being alone for better!

Step 5:
Make others happy. Be nice to those who are there for you when you’re sad. Go out and have fun. Bring yourself out and make others laugh.
Why again were you sad? Oh, that little word homesickness… Forget it. It’s not easy, but it sure is better than drowning in it.

It is now half past 5 in the morning and I’m going to go to sleep. Kafka probably knew what he was doing when he wrote down his dark thoughts to get them out. From now on, I’ll be Kafka-Kaddi and if you ever see me drown apathically in self-pity again, I hereby give you permission to tar and feather me with artificial blood and confetti. But that, my lovelies, is a different story.
Incredible loads of fox-love to all the homesick and homesickness-healers out there. See you in my next post - that time with sunshine again!

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