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Fremdes Fleisch im Kopf - Ein Plädoyer für sexuelle Freiheit

Dec 14, 2014

Kürzlich dachte ich darüber nach, wie es wäre, mit einem Mann zu schlafen, der nicht mein Freund ist.
Los, werft die Steine. Sammelt Stöcke für den Scheiterhaufen. Ich Hure.
Tatsächlich dachte ich nicht nur rein hypothetisch daran, sondern sah die Möglichkeit durchaus gegeben, dachte darüber nach, wie es wohl wäre, sie wahrzunehmen. Ich kann mich schlecht gegen mein Bauchgefühl wehren, und manchmal sagt mir mein Bauchgefühl, dass ein Kuss jetzt schön wäre. Dass ein wenig Körperlichkeit ja schon Spaß machen würde. Dass es eigentlich schade ist, so viele Möglichkeiten einfach verstreichen zu lassen. Dabei habe ich immer noch einen Freund, der am anderen Ende von Deutschland sitzt - und den ich niemals betrügen würde.
“Aber wie kannst du dann an andere Männer denken?”
Zuerst einmal: Diese Vorstellung von Treue ist in meinen Augen sowieso kompletter Schwachsinn. Es gibt zu einer festen Beziehung keine kostenlosen Scheuklappen, die alle anderen potenziellen Partner, und seien es “nur” rein körperliche Partner, komplett ausblenden. Allein hier in Hamburg leben beinahe zwei Millionen Menschen, von denen ich natürlich nicht alle sexuell attraktiv finde - aber bei zwei Millionen ist es unausweichlich, dass das zumindest bei einem Bruchteil passiert. Und das ist okay.
Es ist okay, wenn ich in der Uni an einem Kerl vorbeilaufe und mir denke, dass das aber ein hübscher Kerl ist. Es ist okay, wenn ich angeheitert durch die Nacht und die Clubs stolpere und dabei Männern begegne, mit denen ich, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, in einer anderen Phase meines Lebens durchaus auch nach Hause gestolpert wäre. Es ist okay, Menschen attraktiv zu finden, die nicht mein Freund sind.
Es ist sogar okay, ernsthaft über sexuelle Abenteuer ohne den Partner nachzudenken. Ein Freund erzählte mir, dass seine Freundin häufiger davon spreche, dass sie sich manchmal wünsche, eine Phase der sexuellen Freiheit und Ungebundenheit gehabt zu haben, statt von Beziehung zu Beziehung zu gehen. Hatte sie aber nicht. Nun wohnen die beiden zusammen und sind sehr glücklich miteinander - und trotzdem spricht sie darüber.
Das ist kein Ausdruck sexueller Unerfülltheit oder ein Anzeichen mangelnder Treue, sondern menschlich. Gerade die Studienzeit, die “Jugend”, wenn man so möchte, ist gemeinhin eine Phase des sexuellen Experimentierens. Viele wollen in dieser Phase ungebunden sein, “wehren” sich regelrecht gegen den Begriff der festen Beziehung. (Ich auch. Siehe hier.)
Das ist in meinen Augen allerdings teilweise auch ziemlicher Schwachsinn. Wer sich verhält, als führe er oder sie eine Beziehung, und nur Angst vor dem Label hat, sollte sich mal überlegen, was sich an der Situation ändern würde, wenn sie das Label hätte. Wenn die Antwort “nichts” ist, kann man meiner Meinung nach auch einfach mal alle Angst und Schein-Unabhängigkeit ablegen und es versuchen. Ein Experiment.
Aber genau hier liegt der Knackpunkt: Unabhängigkeit und Geborgenheit scheinen häufig zu zwei unvereinbaren Begriffen geworden zu sein. Ich kenne so viele Menschen, die sich eigentlich nichts sehnlicher wünschen, als einen Menschen, der sie in den Arm nimmt und ihnen Geborgenheit schenkt (und sie danach bei Bedarf auch mal ordentlich durchvögelt). Gleichzeitig grassiert diese unvorstellbare Angst davor, seine “Unabhängigkeit” zu verlieren. Klar, niemand will eine Beziehung, die komplett einengt und keinen Platz für die eigene Persönlichkeit mehr lässt, das wäre tatsächlich ein Verlust von Unabhängigkeit. Aber das wäre auch eine ziemlich dämliche Beziehung. In einer gesunden Beziehung ist Unabhängigkeit für mich ein riesengroßer Faktor. Unabhängigkeit bedeutet für mich zum Beispiel, andere Männer attraktiv finden zu “dürfen”. Mein eigenes Ding zu machen, ohne übermäßige Verpflichtungen zu haben. Ich habe meinem Freund gegenüber nicht die Verpflichtung, nicht mit anderen Männern zu schlafen, sondern ich tue das aus freien Stücken. Oder vielmehr nicht.
Natürlich wäre es für unsere Beziehung nicht so gesund, wenn ich es täte, aber das ist nicht mein wichtigster Grund dafür, es nicht zu tun. Ich schlafe nicht mit anderen Männern, weil sie nicht mein Freund sind. Weil sie nicht der Mann sind, der mir eine Stunde lang die technischen Hintergründe dieses Blogs erklärt, obwohl er eigentlich arbeiten müsste. Weil sie nicht wissen, wie ich aussehe, wenn ich weine. Weil sie das wahrscheinlich gar nicht wissen wollen. Ich habe mit Männern geschlafen, denen ich als Person vermutlich vollkommen egal war, und ich bin weder stolz darauf noch traurig darüber. In einer Phase meines Lebens war das das Richtige für mich, aber mittlerweile weiß ich für mich, dass es das nicht ist.
Wir müssen wohl alle für uns selbst wissen, was das Richtige ist, aber so lange es sich richtig anfühlt, kann es so falsch nicht sein. Niemand sollte definieren, wie wir zwischenmenschliche Beziehungen angehen, weder gesellschaftliche Normen noch das, was für unseren Lebensabschnitt als “normal” gilt.
Wer die verschiedensten Partner haben möchte, soll das tun. Wer das nicht möchte, soll sich seine Person suchen und es lassen. Wer nur daran denken möchte, soll das auch tun. Wer gar nichts davon möchte, soll einfach zufrieden mit seinem Leben sein und es sein dürfen.
Egal zu welcher Kategorie ihr zählt: Nehmt meine Fuchsliebe und verteilt sie in der Welt da draußen!

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