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Haut statt Maske

May 7, 2015

Menschen in meiner Umgebung denken ja manchmal, ich hätte Ahnung von Makeup.
Das ist allerdings höchstens halb wahr. Ja, ich liebe meine kleinen kosmetischen Helfer, vom Augenbrauengel über Mascara, Lippenstift und, wenn ich an diesem Tag besonders fancy unterwegs bin, auch mal meinen Lidstrich. Früher trug ich letzteren jeden Tag, doch dann passierte folgendes: Ich wurde faul. Ich gewöhnte mich an mein Gesicht ohne schwarzen Strich an meinen Wimpern und mir fiel auf, dass dieses Gesicht ja auch ganz annehmbar aussah. Immer noch ich, aber um einen Lidstrich leichter. Okay, eigentlich um zwei, aber you know what I mean. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich mit Makeup oder Foundation an sich, nur nicht ganz so extrem. Dafür war ich nämlich eigentlich immer schon zu faul. Ich bewundere Menschen, die mit ein paar Tübchen aus einem Gesicht aus Haut ein Gesicht aus Puppenporzellan machen können. Das ist eine Kunst.
Und genau das ist Makeup für mich: Kunst. Künstlich. Eine Maske.
Keine Maske im schlechten Sinn. Eine Maske, die personalisierbar und individuell ist. Die Spaß machen und Selbstbewusstsein geben kann. Stellt euch ein verschmitztes Lächeln unter einer venezianischen Augenmaske auf einem Ball vor, blitzende Augen und Zähne. Das kann Makeup sein.
Aber es kann auch zur Last werden. Zur Pflicht, zum Zwang. Dieses Gefühl, nicht aus dem Haus gehen zu wollen, ohne das eigene Gesicht aus Haut optimiert zu haben. Als sei es ohne Maske nicht mehr sehenswert.
Und das ist furchtbar. Schönheit ist wunderbar und Schönheit macht Spaß. Und Schönheit ist genauso individualisierbar wie Lidschatten oder Foundation oder Lippenstift. Sie ist nicht nur individualisierbar, sondern per se individuell, was ungefähr das Allerallerschönste an Schönheit ist. Genau wie ich ohne Lidstrich schön bin, bin ich auch ohne den leisesten Hauch Makeup auf meinem Gesicht ein einzigartig individuell wunderschöner Mensch.
Das zu sagen ist für mich nicht eingebildet, sondern schön. Und wisst ihr, wie ich darauf komme? Neulich sprach ich mit zwei Freundinnen über genau dieses Thema. Über Hautpflege, über Foundation und Puder. Beautykram mit Haut und so. Und eine von ihnen sagte mir, dass ich doch nun wirklich keinen Grund hätte, mich über meine Haut zu beschweren. Das machte mir einiges klar. Vor allem nämlich, dass sie recht hat: Meine Haut ist ziemlich prima. Die Zeiten meiner jugendlichen Akne sind weitestgehend vorbei und seit ich mir ein bisschen Mühe gebe, sie zu pflegen, dankt meine liebe Haut mir das. Aber auch mit den unvermeidlichen PMS-Pickeln ist meine Haut prima. Sie setzt sich für mich täglich den Abgasen Hamburgs aus, kühlt mich mit Schweißperlen beim Sport, schützt meinen Körper ziemlich effizient gegen Verletzungen und hey, alleine dafür: Danke, liebe Haut.
Um mal eine meiner liebsten Selbstbewusstseins-Hymnen zu zitieren: Ich bin “born this way”. Das ist doch eine unglaublich beeindruckende Sache, wenn man mal darüber nachdenkt. Eine Haut zu haben, in der man leben kann. In der man sich wohlfühlen kann. Mit und ohne Makeup.
Am Ende des Tages ist Makeup abwaschbar. Es endet mit Wasser im Abfluss oder auf einem Tuch im Müll. Nach dem Ball öffnet man den Knoten und legt die Maske beiseite. Das Schöne daran ist: Das Maskenball-Lächeln funktioniert auch ohne Maske.
Schönheit funktioniert individuell. Jedem und jeder steht es frei, die eigene Schönheit mit Cremes, mit Seifen, mit Lippenstift, Lidstrich oder Puder zu individualisieren. So lange man dabei nicht vergisst, wie schön und einzigartig die Haut unter der Maske ist.
Imgur
Darum gibt es jetzt hier ein Bild von mir ohne Makeup, ohne Maske. Mit meinem allerbesten Maskenball-Lächeln. Und ich bin schön auf diesem Bild. Und auch sonst. Und ihr seid es auch. Macht euch das mal wieder bewusst. Meine Fuchsliebe bekommt ihr dafür gleich mit!

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