#

#dearme - Was ich mir dringend mal sagen musste.

Dec 18, 2015

Hallo ich - oder du.
Mir - dir - uns geht es gerade wahnsinnig gut.
Fantastische Freunde, wunderbare Parties, sich erfüllende Wünsche und Liebe, Liebe, Liebe. Von mir für ganz viele Menschen, Dinge und Begebenheiten. Reflektierend und zwischen allen herumspiegelnd wie in einem Prisma. Liebe verteilen, vervielfachen, zurückwerfen und sich freuen, wie schön das alles ist. Und das Gefühl, dass alles ein bisschen mehr okay ist, als es das vor ein paar Monaten noch war.

Woran liegt das?
Vielleicht daran, dass das Leben es gerade gut mit mir meint. Vielleicht ist es Glück, Zufall, Schicksal. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich eine wichtige Sache gelernt habe:
Ich habe gelernt, zu sagen “Es ist okay.”
Es ist okay, so zu sein, wie ich bin. Es ist vielleicht nicht immer das, was man perfekt nennen würde, aber (um mal ganz viele Klischees zu bedienen) “was ist schon perfekt?” Unglaublich dabei geholfen hat mir die Psychologische Beratung meiner Uni. Und damit du, liebes Zukunfts-Ich, das nicht vergisst, schreibe ich es dir hier nochmal auf. Schwarz auf weiß: Es ist okay.

Ich bin zu dieser Beratung gegangen, weil ich mich hilflos fühlte. Unsicher. Allein. Und genau das bin ich immer noch manchmal. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. In meinem Kopf hat sich in den letzten Wochen sehr vieles geändert, gedreht und erschien plötzlich in ganz neuem Licht. Und irgendwie passt es zusammen, verbinden sich Puzzleteile da, wo vorher nur Chaos und Verwirrung waren. Das hier ist für dich, falls du diese Klarheit mal verlierst. Wenn das passiert, ist es nicht schlimm, aber ich möchte dir etwas an die Hand geben, Zukunfts-Ich, an das du dich selbst erinnern kannst, wenn da mal wieder nur Dunkelheit und Durcheinander sind.
Und falls du das liest, aber gar nicht mein Zukunfts-Ich bist, dann habe ich diesen kleinen Funken Hoffnung, dass du vielleicht manche dieser Punkte genauso gut gebrauchen kannst wie ich!

  1. Du bist es wert.
    Jede einzelne gute Sache, die dir widerfährt, ist gerechtfertigt. Jedes Kompliment, jede Bewunderung, jedes freudige Ereignis. Die Rechtfertigung musst du nicht übernehmen, die ist bereits vorhanden und somit obsolet. Du bist gut genug für diese positiven Dinge. Erinnere dich daran, einfach “Danke” zu sagen, statt dich ständig für alles zu rechtfertigen, zu entschuldigen oder Dinge zu relativieren. Das musst du nicht. Erinnere dich daran, wie schön es ist, Komplimente als solche zu sehen und zu akzeptieren. Erinnere dich an Gespräche, welche damit begannen, dass du einfach nur mal “Danke” sagtest.

  2. Du wirst geliebt.
    Abende mit deinem Laptop im Bett zu verbringen, ist kein soziales Todesurteil. Das ist Zeit für dich, die du verdammt gut gebrauchen kannst. Dein Terminkalender ist nämlich häufig voller, als du realisierst. Sag’ in solchen Situationen doch einfach mal den Leuten, die gerade nicht bei dir sind, dass du froh bist, sie in deinem Leben zu haben. Du weißt ganz genau, dass du das zu selten tust. Diese Menschen freuen sich und dir wird hoffentlich klarer, dass du gar nicht so alleine bist, wie du dich fühlst. Und dann lehn’ dich zurück und genieße die Zeit, die du für dich selbst hast. Wenn dir danach nicht der Sinn steht, sei so proaktiv, wie ich es gerade versuche, zu sein. Mach’ einfach den ersten Schritt auf Menschen zu, statt ewig zu warten und dir zu sagen, dass das sowieso nicht funktionieren würde und du anecken könntest. Siehe hierzu auch den nächsten Punkt!

  3. Du kannst das.
    Wenn du glaubst, dass irgendetwas zu groß, zu gut oder zu erschlagend für dich ist: Mach’ es trotzdem. Mach’ es in kleinen Schritten und hab’ überhaupt den Mut, den ersten davon zu machen.
    Denk’ an den Yogakurs, bei dem gar nicht alle Teilnehmer Schlangenmenschen waren, die dich für deine Ungelenkheit belächelten. Denk’ daran, wie du dich endlich mal getraut hast, eine Bewerbung abzuschicken, und angenommen wurdest. Denk’ daran, dass du keine Siebenmeilenstiefel tragen und alles auf einmal können musst, so lange du nur die richtigen Schritte machst. Und seien sie noch so klein. Es ist vollkommen egal, ob anderen Menschen diese Schritte leichter fallen als dir. So lange du deinen Weg gehst und nicht an irgendeiner Gabelung einfach stehen bleibst, weil du zu viel Angst vor der Ungewissheit hast, machst du alles genau richtig.

  4. Du bist besonders.
    Wenn du dich mal wieder fragst, warum alle Menschen, die du kennst, so unfassbar talentiert und um so vieles besser sind als du, dann halte kurz inne und mache dir Folgendes bewusst: Diese Menschen sind so talentiert, weil du dich unglaublich gern mit talentierten Menschen umgibst. Ihre Talente machen sie einzigartig und interessant. Sie machen sie aber nicht besser als dich.
    Du musst keine Quantenphysik beherrschen, um besonders zu sein. Du musst nicht photoshoppen, nicht programmieren, nicht kochen oder alle Beyoncé-Choreographien nachtanzen können, um Talent zu haben. (Auch wenn du die Choreos vielleicht mal lernen solltest, einfach für die Coolness.)
    Du hast Talente, die du immer wieder gerne vergisst. Deswegen schreibe ich sie dir hier auf: Du bist ein extrem empathiefähiger Mensch. Du kannst wahnsinnig gut improvisieren. Und Sprache, das ist sowieso dein Steckenpferd. Zu Recht, denn du kannst sprechen, schreiben und mit Worten um dich werfen, bis die Fetzen fliegen. Du kannst nicht zum Mond fliegen, aber das musst du auch nicht. Denk’ einfach mal wieder darüber nach, was du gut kannst und was Menschen an dir schätzen. Das macht dich besonders und talentiert. Und denk’ daran, wie schön es ist, dass es noch so viele andere talentierte Menschen gibt. Wenn du dich gerade nicht selbst zerfleischst, kannst du nämlich auch echt gut mit genau diesen Menschen zusammenarbeiten.

  5. Es ist okay.
    Der Tag wird mit großer Wahrscheinlichkeit kommen, an dem in deinem Kopf Unsicherheiten, Dunkelheit und Angst herrschen. Das kannst du nicht verhindern und das ist menschlich. Und es ist okay. Atme mal tief durch und mach’ dir das immer, immer wieder bewusst. Manche Dinge kannst du nicht beeinflussen, sehr wohl aber kannst du dich entscheiden, wie du mit diesen Dingen umgehst. Mögliche Katastrophen sind keine wirklichen Katastrophen und sie sich auszumalen, hält dich nur davon ab, ihren Ausgang wirklich zu erleben. Aber manchmal bist du so und denkst du so und ja, auch das ist okay. Gib’ dir selbst mindestens so viel Liebe und Verständnis wie allen um dich herum, denn, weißt du noch, wie dir auffiel, dass eigentlich alle um dich herum ihr Päckchen zu tragen und mit ihren Unsicherheiten zu kämpfen haben? Das war ein guter Tag. Er hat dich dazu gebracht, das hier aufzuschreiben.

Liebes Zukunfts-Ich, ich bin sehr stolz auf dich.
Wenn du das hier liest, hast du dich entschlossen, den Rat deiner Psychologin zu befolgen und dich zurückzuerinnern an das Gefühl, dass alles irgendwie ein bisschen mehr okay ist als zuvor - und das ist es auch. Nicht, weil sich die Umstände geändert hätten, nein: Du hast sie geändert.
Du hast aus einer feindlichen, angsteinflößenden Umgebung, in der du ganz schön einsam warst, eine helle, wenn nicht sichere, so doch aufregende Umgebung gemacht, in der du die Liebe, die dir entgegenglitzert, endlich annehmen kannst.

Und das ist verdammt viel mehr als nur okay!

(Falls du als Nicht-Zukunfts-Ich bis hierher gelesen hast, danke ich dir für deine Zeit und hoffe, dass du vielleicht das ein oder andere bisschen Liebe für dich selbst aus diesem Brief ziehen konntest. Das ist nämlich ein offener Brief, damit Menschen wie du merken, dass sie vielleicht gar nicht so allein sind, wie sie glauben. So ein Mensch war und bin ich nämlich auch. Fuchsliebe an alle von uns da draußen!)

Related Posts

#

Eine Begegnung am Wahltag

Ich sitze in der Bahn nach Hause. Habe viel getrunken, wenig geschlafen und der Handyakku ist leer. Meine Eltern gehen gerade wahrscheinlich wählen, ich fahre von der Abschiedsfeier eines Freundes nach Hause. Er wird nach Dublin ziehen, hat dort einen Job bekommen. Ich freue mich... Read more!

#

Ich muss das nicht

Manchmal frage ich mich, ob mich zu viele Dinge stören. Ob ich zu viele Ficks gebe. Ob ich eigentlich meine eigenen Stresslevels durch extrem viel Ärger über Dinge, die ich nicht ändern kann, permanent hoch halte. Ich müsste das doch nicht. Oder? Kürzlich ging ich... Read more!

#

I think I deserve this

“We accept the love we think we deserve.” Neben dem Bedürfnis, Logan Lerman zu knuddeln und Emma Watson zu küssen, ist mir dieser Satz aus dem Film “The Perks of being a Wallflower” bis heute am meisten im Gedächtnis geblieben. Sich zufrieden geben mit der... Read more!