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I think I deserve this

Jul 20, 2015

“We accept the love we think we deserve.”

Neben dem Bedürfnis, Logan Lerman zu knuddeln und Emma Watson zu küssen, ist mir dieser Satz aus dem Film “The Perks of being a Wallflower” bis heute am meisten im Gedächtnis geblieben.
Sich zufrieden geben mit der Liebe, die man glaubt, zu verdienen. Diese Vorstellung fand ich schon damals wahnsinnig traurig.

Liebe ist für mich nichts, womit man sich “zufrieden geben” müssen sollte. Vielleicht ist das hoffnungslos romantisch und realitätsfern, aber “zufrieden geben” klingt für mich nach verbittertem Paar, das nur noch der Kinder wegen zusammen bleibt. “Zufrieden geben” klingt nach “da könnte mehr sein, ich könnte glücklicher sein, Ambitionen haben” - und das dann aufgeben. Aufgeben, worauf man hoffen könnte, was einen glücklich machen könnte, um ein halbgares Versprechen von Glück serviert zu bekommen.
Ein Reihenhaus auf Hypothek zu kaufen, obwohl man lieber ein Hausboot bewohnen würde. Mit dem Partner oder der Partnerin in die Großstadt zu ziehen, obwohl man doch eigentlich das Land ganz gerne mochte. Einmal im Monat Sex haben, weil es ja irgendwie Pflicht ist, obwohl man doch gerne etwas Verrücktes, etwas Spontanes zusammen erleben würde. Das ist für mich ein “zufrieden geben”. Und keine dieser Sachen muss schlecht sein, manche wollen dies, manche wollen das - und Beziehungen sind Kompromisse. Und das ist mir bewusst.

Aber das Leben, dieses große, unheimliche Ding da draußen, ist kein Kompromiss. Es läuft ständig vor dir her, eine dicke, fette Versprechung an einer Angel vor deiner Nase baumelnd, und fordert dich auf, mitzulaufen. Wenn du das nicht tust, läuft es davon. Mit dieser Versprechung, dem Versprechen von Glück. Glück hat viele Gesichter, und es gibt so viele unterschiedliche Wege, es zu erreichen, wie es Menschen gibt. Aber natürlich gibt es Vorstellungen von Glück, die wohl alle kennen, die uns täglich auf Werbetafeln oder Instagram-Fotos begegnen: Die “perfekte” Beziehung, das Haus, das Auto, die Kinder. Der gepflanzte Baum.
Diese Vorstellungen sind schön - und wir sind sie so wahnsinnig gewohnt. Genau wie die Anleitungen, um sie zu erreichen: “Nimm dich mal zurück, mach mal Kompromisse, sei nicht so anspruchsvoll, sei nett, sei sein oder ihr Gegenstück, sei für dein Gegenstück da, bau ihn/sie auf, sei immer, immer, immer da und erwarte um Himmels Willen nicht immer so viel, wenn du all dies hier tust, wird schon alles funktionieren.”
Und es ist so schwer, das nicht zu glauben. Es scheint so vernünftig, so sinnvoll, so kugelsicher. Ich habe das geglaubt. Ich dachte, Glück in dieser Hinsicht sei gebunden an Kompromisse. Daran, dass ich nicht immer so schwierig wäre. Denn ich bin schwierig.
Ich verlange meinem romantischen Gegenstück viel ab. Viel Liebe, viel Sicherheit und viel Zuwendung. Das ist schwierig, das kann anstrengend sein. Denn ja, ich bin anstrengend. Ich bin anstrengend und stur und unnachgiebig und wenn mir etwas nicht passt, dann diskutiere ich das gern bis ins letzte Detail aus. Ich kann sehr lange diskutieren. Ich bin manchmal traurig und manchmal überschwänglich und manchmal auch einfach nur verwirrt. Das hat nicht immer einen Grund und das kann schwierig sein. Wenn ich etwas mache, dann ganz oder gar nicht, und das kann für manche zu viel sein.

Imgur

Lange dachte ich, ich wäre einfach zu viel. Zu schwierig, zu anstrengend, zu alles. Ich glaubte den Menschen, die mir sagten “Nimm dich mal zurück, mach’ mal Kompromisse, sei doch nicht immer so schwierig!” und versuchte genau das. Funktioniert hat es nicht.
Mittlerweile ist mir aber klar, dass dieser Weg für mich nicht funktionieren konnte, dass es gut ist, dass er es nicht tat. Denn dieser Weg wäre ein “zufrieden geben” gewesen, ein Kompromiss, den ich nicht bereit bin, zu machen. Ja, ich bin schwierig und sehr viel Arbeit. Ich bin nicht einfach zufrieden zu stellen, denn ich werde mich nicht mehr “zufrieden geben” mit so viel Liebe, wie ich glaube, zu verdienen, wenn das zu wenig für mich ist. Denn ich brauche unendlich viel Liebe - aber ich bezahle sie in gleicher Münze zurück.
Ich bin ein kluges Mädchen mit einem riesigen Herzen und der Bereitschaft, fast alles für Menschen zu tun, die mir wichtig sind. Ich bin immer da, wenn ich kann, und stecke mein Herz und meine Seele in Beziehungen, weil das für mich richtig erscheint. Ich zeige Menschen, denen ich vertraue, mein Innerstes und versuche, ihres zu verstehen, ich bleibe nächtelang wach, um da zu sein und über Gott und die Welt oder dämliche Katzenvideos zu reden. Ich schreibe für die Menschen, die ich liebe, und in diesen Zeilen steckt so vieles, was ich anders nicht geben kann. Und ich tue es trotzdem.

Nein, ich bin nicht einfach.
Ich bin nicht perfekt, aber ich bin mehr als ein “perfektes” Bild von einer Frau, ich bin mehr als dieses “einfache” Bild des Mädchens, das immer glücklich und zufrieden mit seiner Situation und irgendwie selbstverständlich ist. Ich bin mehr als tausend Herzchen-Nachrichten und ab und an ein schlechter Blowjob.
Ich bin so verdammt viel mehr als das.

Und dieses “mehr” ist nicht zu viel. Denn für irgendjemanden da draußen ist dieses “mehr” genug.
Und das verdiene ich.

Danke an Marc für die tollen Fotos und die Freundschaft. Fuchsliebe an euch alle - ich hoffe, manche von euch verstehen das hier!

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